PARADIGMA PLAGWITZ

 

20140406 TITEL KATALOG

Titelseite des Katalogs zur Ausstellung

 

PARADIGMA PLAGWITZ

Fotografien 1984 bis 1996 von Harald Kirschner, Bertram Kober, Thilo Kühne, Hans-Christian Schink, Helfried Strauß, Peter Thieme und Ulrich Wüst

Man muss sich beeilen, wenn man etwas sehen will, alles verschwindet. Paul Cezanne

Was war das Besondere an Plagwitz, dem Industrieviertel im Westen der sächsischen Stadt Leipzig? „Schwarze“ Industrien, in denen die Zeit stehengeblieben schien, existierten überall in der ehemaligen DDR.
Plagwitz war ein „Museum der Arbeit“, ein Ort, der sich aus einer vergangenen Zeit herübergerettet hatte, der nicht in den Modernisierungswellen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs verschwunden war. Als Standort für Maschinen- und Anlagenbau und Textilherstellung hatte Plagwitz überlebt. Produktionsstätten und Wohnhäuser standen dicht aneinander, nicht abgegrenzt und ineinander verwoben. Die schrundig gewordenen Fabrikgebäude stammten aus der Gründerzeit und den Jahrzehnten danach. Die Metropole im Osten ahnte man hinter dem Rauch aus den vielen Essen.
Der Zug der Zeit war an Plagwitz vorbeigefahren.
Das machte Plagwitz einzigartig. Hier waren Vergangenheit und Gegenwart gleichzeitig zu besichtigen.
Wer sprach da von Zukunft?

1989 war der sozialistische Gesellschaftsentwurf am Ende. Es war auch die wachsende Unzufriedenheit über die anachronistischen Arbeits- und Lebensverhältnisse in Plagwitz, die mit zu den Demonstrationen des Leipziger Herbstes 1989 führte, dem Ausgangspunkt der Friedlichen Revolution in der DDR.

Nach der Einführung der Deutschen Mark im Juli 1990 war der Großteil der Betriebe nicht mehr konkurrenzfähig. Tausende Arbeitsbiografien wurden unterbrochen oder beendet. Plagwitz war zur Kulisse eines Industriestandorts geworden.
In dieser Zeit entstanden die in der Ausstellung vorgestellten Werke und Werkgruppen. Die Fotografen verband der Gedanke, unvoreingenommen und vorurteilslos sachlich die Wandlungen, die hier stattfanden, zu verstehen und in ihren Arbeiten zu reflektieren.
Gegen die Zeit fotografierten sie die Spuren einer Vergangenheit, die bald von der Zukunft gefressen werden würden: Augenblicke der Geschichte eines Jahrhunderts.
Nichts würde bleiben, wie es ist.

25 Jahre später ist Plagwitz ein attraktiver Standort für Kunst, Kultur und Dienstleistungen mit überwiegend junger Bevölkerung.

Die Fotografen:
Harald Kirschner. Verwaiste Arbeitsplätze. 1991 / Schmiede. 1990 / Asphalt. 1990-1992. www.harald-kirschner.de

Bertram Kober. Famos abgewickelt. 1990. www.bertramkober.de

Thilo Kühne. Handarbeit. 1992 / Plagwitz 1984-1986. www.fotoplusdesign.de

Hans-Christian Schink. Industriearchitektur in Plagwitz. 1992-1997. www.hc-schink.de

Helfried Strauß. Panoramen. www.helfriedstrauss.com

Peter Thieme. Plagwitz. 1990-1991. www.peterthieme.com

Ulrich Wüst. Plagwitz, Oktober 1989. www.ulrichwuest.de

Die Ausstellung wird kuratiert von Peter Thieme, Berlin.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Ausstellung vom 05. April bis 27. April 2014
im Tapetenwerk Leipzig, Lützner Straße 91, Halle C01
www.tapetenwerk.de

Vernissage: Freitag, den 04. April 2014 um 19 Uhr
Öffnungszeiten: Mi bis Sa, 14 bis 18 Uhr

 

Eröffnungsrede von T.O. Immisch. Moritzburg Halle/S. © Bertram Kober

Eröffnungsrede von T.O. Immisch. Moritzburg Halle/S. © Bertram Kober

Eröffnung der Ausstellung © Berttram Kober

Eröffnung der Ausstellung © Berttram Kober

Eröffnung der Ausstellung © Bertram Kober

Eröffnung der Ausstellung © Bertram Kober

 

08. April 2014 von peter_o
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